Regionalbauernverband RBV Westsachsen e. V.
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28.11.2014

Landwirtschaft 2020 im Spannungsfeld zwischen Verbraucherwünschen, Ökologie und Ökonomie

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Am gestrigen Abend fand in der Friweika e.G. in Weidensdorf die Mitgliedersammlung des Regionalbauernverbandes Westsachsen statt. Im Vorfeld der Veranstaltung bestand die Möglichkeit, an einer Führung durch das Unternehmen teilzunehmen.

Die Versammlung begann mit einem Vortrag des Chefredakteurs der Bauernzeitung, Dr. Thomas Tanneberger, zum Thema ”Landwirtschaft 2020 im Spannungsfeld zwischen Verbraucherwünschen, Ökologie und Ökonomie“. Zu Beginn des Vortrags betonte er, dass eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen der Agrarzukunft der Frieden ist.

Zukünftig werden Tierschutz und Tierwohl noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Landwirte müssen deshalb offensiver und selbstbewusster den von ihnen schon geleisteten Tierschutz zeigen und dürfen sich nicht verstecken. Allerdings ist die Gesellschaft oftmals wenig ehrlich - viele fragen Idylle nach und kaufen dennoch bei Aldi.

Weitere wichtige Zukunftsherausforderungen für die Landwirtschaft sieht Dr. Tanneberger in Bodenschutz, Wasser- und Klimamanagement sowie Energieeinsparung. Gleichzeitig muss aber auch noch rationeller und kostengünstiger produziert werden als heute. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und der rückläufigen Flächenverfügbarkeit steht zukünftig noch weniger Fläche pro Kopf zur Verfügung.


Im anschließenden Vorstandsbericht gab der Vorsitzende, Rainer Stauch, einen Rückblick über das zu Ende gehende Jahr, das voller Herausforderungen und Überraschungen war.

Trotz einiger Wetterkapriolen entwickelten sich die Bestände auf den Feldern gut und ließen eine gute Ernte erwarten. Schwierig gestalteten sich die Wetterbedingungen zur Erntezeit. Konnte die Gerste noch unter guten Bedingungen geerntet werden, so setzte mit Beginn der Raps- und Weizenernte ein unbeständiger Witterungsabschnitt mit regionalen Unwettern, Starkregen oder sogar Hagel ein. Dadurch musste die Ernte der reifen Bestände immer wieder unterbrochen werden. Insbesondere bei Weizen konnte deshalb nicht immer beste Qualität geerntet werden. Die Erträge bei Wintergerste lagen ca. 20%, bei Sommergerste sogar 60% über dem 5-jährigen Mittel, bei Weizen und Raps ca. 25%. Sehr gute Erträge waren auch bei Mais und Kartoffeln zu verzeichnen. Insbesondere bei Kartoffeln lagen die Erträge deutlich über dem 5-jährigen Mittel.

Da in Europa und dem Rest der Welt die Ernten überwiegend recht gut ausgefallen sind, ist ein weiterer Verfall der Getreidepreise zu verzeichnen. Nachdem die Preise bereits im Vorjahr schon um ca. 25 Prozent zurückgegangen waren, setzte sich der Preisrückgang auch in diesem Jahr fort. So sind seit Jahresbeginn die Erzeugerpreise für Weizen und Gerste um 25 Prozent, für Brotroggen und Raps um 20 Prozent gesunken.

Erfreulich begann das Jahr für die Milchproduzenten. Nachdem sie über einen längeren Zeitraum mit einem niedrigem Milchpreis und hohen Futter- und Energiekosten zu kämpfen hatten, hatte sich im Herbst des vorigen Jahres die Situation deutlich entspannt. Um den Jahreswechsel zahlten sächsische Molkereien für ein paar Monate Milchpreise von 40 Cent. Seit Mai ist der Trend aber umgekehrt. Der Milchpreis befindet sich wieder im Sinkflug. Trotz des dramatischen Preisrückgangs werden wir im Jahresdurchschnitt einen Milchpreis von ca. 35 Cent erreichen und damit etwa 1,5 Cent unter dem Vorjahresdurchschnitt liegen.

Die Lage für die schweinehaltenden Betriebe hat sich in diesem Jahr wieder deutlich verschärft. In den ersten 3 Quartalen des Jahres bewegte, sich der Schweinepreis im Schnitt bei 1,60 €/kg. Der sonst mit Einsetzen der Grillsaison zu verzeichnende Preisanstieg blieb wegen des durchwachsenden Sommers in diesem Jahr aus. Gegen Ende des dritten Quartals viel der Preis innerhalb von 3 Wochen dramatisch um 20 Cent ab. Aktuell legen die Mäster zwischen 10 und 15 € je Mastschwein drauf. Im Jahresdurchschnitt werden vermutlich gerade mal 1,55 €/kg erreicht. Aktuell werden Ferkel nur noch mit ca. 35 € gehandelt. Damit legen auch die Ferkelerzeuger etwas 15 € je Ferkel drauf.

Nach einem Übergangsjahr tritt am 1. Januar 2015 mit einem Jahr Verspätung die EU-Agrarreform in Kraft. Monatelang haben das Europäische Parlament, EU-Agrarminister und EU-Kommission um Details gefeilscht. Auch in Deutschland verliefen die Verhandlungen zur nationalen Umsetzung der Reform nicht reibungslos. Erst in buchstäblich letzter Minute und nach teilweise heftigen Auseinandersetzungen konnten sich Union und SPD einigen, so dass das Direktzahlungen-Durchführungsgesetz Ende Mai beschlossen werden konnte. Rainer Stauch führte nachfolgend die wichtigsten Eckpunkte der Reform an. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen wird auch die neue Reform zu einem erheblichen Zuwachs an Bürokratie führen.

Zum Thema Öffentlichkeitsarbeit betonte der Vorsitzende, das die Landwirte die Kommunikation mit Journalisten aktiver gestalten und mit ihnen in Kontakt treten müssen, wenn falsch berichtet wurde. Weiterhin müssen Themen selbst platziert werden. Dies hat sich in der Vergangenheit allerdings oftmals als schwierig erwiesen. Medien berichten leider lieber über vermeintliche Skandale, als über die alltägliche Arbeit von Landwirten. Eine gute Möglichkeit, etwas für die Öffentlichkeitsarbeit zu tun, ist die Beteiligung an der Initiative ”Heimische Landwirtschaft“ und die Teilnahme am ”Tag des offenen Hofes.

Neben dem Wetter erweist sich immer häufiger auch die Politik als ein unkalkulierbares Risiko für die Landwirte. Aktuell spüren die Milchbauern, Schweinemäster und Obstproduzenten schmerzlich die Auswirkungen des russischen Importstopps für europäische Agrarprodukte. Hier erwartet der Verband von der Bundesregierung, dass sie alles unternimmt, um die Russlandkrise schnellstmöglich zu beenden. Politischen Streit auf dem Rücken der Landwirte auszutragen ist nicht akzeptabel. Völlig indiskutabel ist auch die Absicht der EU, die Betriebsprämie der Landwirte zu kürzen, um mit diesen Geldern die Einkommensverluste der vom Importstopp besonders betroffenen Landwirte auszugleichen.



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