Regionalbauernverband RBV Westsachsen e. V.
Regionalbauernverband RBV Westsachsen e. V.

Aktuelle Meldungen aus der Region



zurück


13.11.2015

Regionalbauernverband wählt neuen Vorstand

MGV-WS-3a.jpg
Gestern Abend trafen sich die Mitglieder des Regionalbauernverbandes zu ihrer Jahresmitgliederversammlung in der Landgaststätte Wiesenburg. Die Versammlung stand unter dem Zeichen der Vorstandsneuwahl.

Der Vorsitzende Rainer Stauch eröffnete seinen Bericht mit einem Rückblick auf den Wetterverlauf und die eingebrachte Ernte.

Der relative trockene Winter und das sehr trockene Frühjahr ließen eigentlich keine guten Erträge erwarten. Glücklicherweise kam im Gegensatz zu anderen Regionen in Sachsen der Regen für die meisten Kulturen gerade noch rechtzeitig. Regional waren Schäden durch Kohlfliege, Rapserdfloh und insbesondere durch Mäuse zu verzeichnen.

Trotz anfänglicher Befürchtungen konnte in diesem Jahr dennoch eine recht gute Ernte eingefahren werden. Die Erträge lagen über dem langjährigen Mittel. Aufgrund der recht hohen Weltgetreidevorräte hat sich der Preis leider bisher kaum nach oben bewegt. Dies wäre aber wichtig, um Verluste aus anderen Betriebszweigen, vor allem aus der Tierproduktion, besser abfedern zu können.

Ein Sektor der Landwirtschaft, der bis auf wenige Ausnahmen, den Berufsstand fast jedes Jahr beschäftigt, ist die Milchproduktion. Seit März 2014 befand sich der Milchpreis auf einem kontinuierlichen Sinkflug. Schon im August 2014 wurde für die meisten Betriebe die Kostendeckungsschwelle unterschritten. Im Oktober 2015 lag der Milchpreis im Durchschnitt der sächsischen Molkereien bei knapp 26 Cent.

In den vergangen 12 Monaten haben die sächsischen Milchbauern einen Wertschöpfungsverlust von ca. 170 Millionen Euro zu verzeichnen. Von den Preiserhöhungen für Trinkmilch bei Lidl und Aldi von 4 Cent kommen bei den Milchbauern gerade einmal 0,5 Cent an. Zudem hatte Lidl im Vorfeld der Preisabhebung für Trinkmilch den Preis für Käse in den Keller geprügelt. Mit den niedrigeren Käsepreisen finan?zieren sie die Trinkmilchpreiserhöhung.

Viele Milcherzeuger kämpfen seit Monaten um ihre Existenz. Die Sicherung der Liquidität stellt sie täglich vor neue Herausforderungen. Das kürzlich beschlossene EU-Hilfspaket wird die Lage der Milchbauern nicht wirksam entspannen. Auch die EU-Marktinstrumente wie Private Lagerhaltung und Intervention verpuffen wirkungslos.

Auch den Schweinehaltern geht es nicht besser. Bereits Mitte vergangenen Jahres begann der Schlachtschweinepreis deutlich zu sinken. Der russische Importstopp und gestiegene Schlachtzahlen hatten zu einer Schieflage am europäischen Schweinemarkt geführt. Im Sog der gefallenen Schlachtschweinepreise war auch ein drastischer Rückgang der Ferkelpreise zu verzeichnen. Eine Kostendeckung ist nicht möglich. Aktuell legen die Mäster ca. 25 Euro je Schwein drauf und die Sauenhalter 15 Euro je Ferkel.

Im Frühjahr wurde nach langen Vorbereitungen endlich die Initiative Tierwohl gestartet. Die große Teilnahmebereitschaft zeigte deutlich, dass Landwirte bereit sind, in noch mehr Tierwohl zu investieren, wenn die Mehraufwendungen an der Ladentheke honoriert werden.
Die Bilanz fällt allerdings ernüchternd aus. Von 24 teilnahmewilligen Betrieben in Sachsen haben gerademal 7 nach Losverfahren einen positiven Bescheid erhalten. Der Frust der nicht zum Zuge gekommenen Betriebe ist natürlich groß. Haben sie doch teilweise 6-stellige Beträge zur Verbesserung des Tierwohls investiert. Auf diesen Kosten bleiben sie aber vorerst sitzen. Aldi, Lidl und Co müssen ihr finanzielles Engagement deutlich erhöhen. Damit könnten sie beweisen, dass sie es wirklich ernst mit noch mehr Tierwohl meinen!


Mit einem Jahr Verspätung begann in diesem Jahr die neue EU-Förderperiode. Bis zum Frühjahr war bei Landwirten und Behörden vieles unklar. Wie soll die Umsetzung der Reform konkret erfolgen, was ist mit Detailregelungen zum Greening? Viele Fragen, wenige kundige Antworten! Die letzten Regelungen zu den ökologischen Vorrangflächen gab es zehn Tage vor Antragsschluss. Die Förderrichtlinie für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen wurde sogar erst 6 Wochen nach Antragsschluss beschlossen! Wie sollen Landwirte den Überblick behalten, wenn selbst die Macher dieser Bürokratie die Übersicht verloren haben.


Bereits im Frühjahr wurde vom Landesbauernverband auf die dramatische Verschärfung der Lage der viehhaltenden Betriebe hingewiesen. Anfang Juli fand ein Gespräch zwischen SLB und der Molkerei Müller in Leppersdorf statt. Anfang Oktober traf sich Staatsminister Thomas Schmidt mit dem SLB und den Molkereien. Die Milchaufkaufaktion unseres Verbandes bei Aldi fand bei Medien und Verbrauchern gleichermaßen Zuspruch.

Darüber hinaus hat der Regionalverband mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten des Verbandsgebietes Gespräche geführt. In diesen Gesprächen wurde deutlich darauf hingewiesen, dass die sächsischen Milchbauern und die Schweine- und Geflügelhalter einen Wertschöpfungsverlust von rund 200 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahr zu verkraften haben, die deutschen Bauern insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro. Die politisch motivierten Hilfen in Höhe von 69,2 Mill. Euro bringen dabei keinerlei Entlastung.

Eine wichtige Forderung in allen Gesprächen war die Gestaltung vernünftiger Rahmenbedingungen für uns Landwirte. Hier könnten die Politiker vieles ändern. So besteht bei der Novelle der Düngeverordnung, der Verhinderung der drohenden Abdeckung von Güllelagern, der Verhinderung von Luftwäschen in Stallanlagen, der Verringerung des Flächenverzehrs, der Verhinderung von Verschärfungen im Pflanzenschutz und bei der Bekämpfung der Feldmäuse u.v.m. ein großes Betätigungsfeld für die Politiker.

Der Regionalbauernverband hat sich stets bemüht, die Interessen seiner Mitglieder bestmöglich zu vertreten. Für eine wirksame Interessenvertretung ist allerdings auch die Mitwirkung der Mitglieder erforderlich. Der Vorsitzende appellierte an alle Mitglieder sich noch mehr in die Arbeit des Verbandes einzubringen.


Im Anschluss an den Bericht des Vorsitzenden sprach der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes Wolfgang Vogel über aktuelle Fragen der Agrarpolitik und Aktivitäten des Berufsstandes in den vergangenen Monaten.

Die Landwirtschaft befindet sich in der schwersten Krise seit der Wiedervereinigung. In keinem Zweig wird derzeit Geld verdient, so Präsident Vogel. Eine nicht unwesentliche Ursache dafür ist das Russlandembargo. Dies kostet die deutschen Landwirte jährlich rund 1 Milliarde Euro.

Vogel bekräftige die Forderung nach einem Lebensmittelgipfel. Der Lebensmitteleinzelhandel muss mehr in die Verantwortung genommen werden. Gemessen an der Kaufkraft sind Lebensmittel nirgendwo so billig, wie in Deutschland. Die Abwärtsspirale bei den Lebensmittelpreisen muss unbedingt gestoppt werden.

Im weiteren Verlauf seines Vortrages ging der Präsident auf zahlreiche Betätigungsfelder des Berufsstandes ein. Genannt seien hier nur beispielsweise Milchmarkt, Düngeverordnung, Pflanzenschutzgesetzgebung, Nachbauregelung, Agrardiesel, Betriebsprämie, investive Förderung und vieles mehr.

Krönender Abschluss des Abends war die Neuwahl des Vorstandes. 11 Kandidaten stellten sich zur Wahl. Der bisherige Vorsitzende Rainer Stauch (Agrargenossenschaft Langenchursdorf e.G.) wurde im Am bestätigt. Zum 1. Stellvertreter wurde Heinrich Winter (Reinsdorfer Agrar GmbH) wiedergewählt. Neuer 2. Stellvertreter ist Andre? Sett (FERMILA GmbH & Co. KG).



MGV-WS-1.jpg
MGV-WS-2.jpg
RBV Westsachsen e. V.  I  Am Bahnhof  I  09648 Altmittweida  I  Telefon: 03727 / 93 00 14  I  Fax: 03727 / 98 94 9