Regionalbauernverband RBV Westsachsen e. V.
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07.02.2019

Discounter verramscht Tierwohl-Fleisch

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Seit Anfang der Woche bietet ein bekannter Discounter Geflügel-Fleisch zum Dumping-Preis an. Die Verpackung des Fleisches ist mit zahlreichen Labels bestückt. Das Fleisch stammt zu 100 Prozent aus Deutschland (Elterntiere, Futtermittel, Geburt, Aufzucht und Schlachtung), erfüllt die Anforderungen der „Initiative Tierwohl“ und auch die zusätzlichen Anforderungen des Discounters für sein eigenes Label „Stallhaltung Plus“. Die Tiere erhalten ausschließlich gentechnikfreies Futter, haben 10 % mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung und erhalten organisches Beschäftigungsmaterial aus veränderbarem und sich verbrauchendem Material wie z.B. Picksteine. Darüber hinaus sind alle Prozesse bis hin zur Schlachtung von der QS Qualität und Sicherheit GmbH zertifiziert. Das Fleisch wird mit deutlich höherem Aufwand vom Landwirt erzeugt, aber zum selben Preis oder teilweise sogar noch billiger als nicht zertifizierte Ware verkauft. Mussten Verbraucher beispielsweise vor 5 Jahren für 1 Kilogramm QS-zertifiziertes Hähnchenbrustfilet 5,99 € zahlen, wird jetzt mehrfach tierwohl-zertifiziertes Fleisch von gentechnikfrei gefütterten Hähnchen für 4,98 € verramscht.

Das Verhalten des Discounters ist ein Schlag ins Gesicht aller Tierhalter, die dem Wunsch der Verbraucher nach mehr Tierwohl folge leistend, viel investiert haben. Es bleibt zu befürchten, dass die Kosten für die höheren Anforderungen letztendlich wieder einmal bei den Landwirten hängen bleiben.

Das Forsa Institut hatte kürzlich eine Umfrage veröffentlicht, dass 88 Prozent der Verbraucher mehr Geld ausgeben würden, wenn es den Tieren besser geht. Das Vertrauen der Discounter in diese Verbraucheraussagen scheint aber nicht all zu groß zu sein. Warum nehmen sie die Verbraucher nicht in die Pflicht? Negative Erfahrungen der vergangenen Jahre mit der Diskrepanz zwischen Verbraucheraussagen und dem tatsächlichem Kaufverhalten, scheinen zu überwiegen. Kauft doch nach wie vor der größte Teil der Verbraucher, entgegen aller Umfragen, Lebensmittel nach dem Preis. Mehr als 40% des Fleisches und der Wurst werden von Discountern verkauft und davon noch ein großer Teil über Sonderangebote. Billiges Fleisch wird genutzt, um möglichst viele Verbraucher in die Läden zu locken. Ob eine zwei-Kilo-Ente für vier Euro oder 1 Kilo Hähnchenschenkel für 1,50 Euro, Beispiele gibt es dafür genug. Beleg für die Geiz-ist-Geil-Mentalität der meisten Verbraucher ist auch eine Studie der Universität Osnabrück in 18 Supermärkten in der Region Minden-Hannover. Dort hatten Ende 2018 nur 16 % der Kunden einen Tierwohlartikel anstelle von konventionell erzeugter Ware gekauft. Es ist also naiv zu glauben, dass die Verbraucher den von ihnen gewünschten Umbau der Tierhaltung vollständig über den Ladenpreis finanzieren. Wieder einmal müssen Landwirte in Vorleistung gehen, ohne zu wissen, ob sie ihre Aufwendungen jemals vollständig ersetzt bekommen. Wer mehr Tierwohl fordert, muss auch etwas dafür bezahlen. Fleisch darf keine Ramschware bleiben, sondern muss wieder mehr Wertschätzung erhalten! Die Discounter sollten dem Verbraucher zumindest Gelegenheit geben, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen, indem sie Fleisch mit dem vom Verbraucher gewünschten Mehrwert auch teurer anbieten.



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