Regionalbauernverband RBV Westsachsen e. V.
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15.11.2019

Mitgliederversammlung stellt Weichen für die Zukunft

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Der Einladung zur Mitgliederversammlung des Regionalbauernverbandes waren zahlreiche Mitglieder in den Speisesaal der Friweika e.G. Weidensdorf gefolgt. Als Gast konnte Torsten Krawczyk, neugewählter Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes, zur Mitgliederversammlung begrüßt werden.

Im Vorstandsbericht ließ der Vorsitzende Rainer Stauch anschaulich und informativ das Berichtsjahr Revue passieren. Dabei sparte er auch nicht mit kritischen Worten.

Ernte

Nachdem im vergangenen Jahr in weiten Teilen Sachsens extreme Dürre herrschte, hatten die Niederschläge im Winter zu einer leichten Entspannung geführt. Trotzdem konnte das Wasserdefizit des Vorjahres bei weitem nicht ausgeglichen werden.

Da der Mai war relativ kühl und nass war, hätten wir nach einer alten Bauernregel eigentlich mit einer sehr guten Ernte rechnen können. Allerdings folgte dem kühlen Mai der heißeste und sonnigste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, verbunden mit großer Trockenheit. Damit sank die Hoffnung auf gute Erträge.

Die Erträge lagen bei Getreide und Raps leicht über dem sehr schlechten Vorjahr aber zwischen 5 und 13 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Auch die Futterernte war im zweiten Jahr hintereinander unterdurchschnittlich ausgefallen, sodass es in einigen Betrieben zu Futterengpässen kommen könnte.

Milch


Die wirtschaftliche Lage der milcherzeugenden Betriebe ist derzeit alles andere als rosig. Der Milchpreis bewegt sich seit Anfang des Jahres auf einem gleichbleibend niedrigen Niveau und schwankte von Januar bis Oktober zwischen 30 und 31,5 Cent. Im Jahresdurchschnitt werden die sächsischen Molkereien vermutlich knapp unter 31 Cent liegen und damit noch einmal etwa 0,5 Cent unter dem schon niedrigen Durchschnittspreis des Jahres 2018. Damit konnte auch 2019 in den allermeisten Betrieben Milch nicht kostendeckend produziert werden.

Schwein

Anders als bei den Milcherzeugern hat sich die Lage für die schweinehaltenden Betriebe in diesem Jahr deutlich entspannt. Nach 5 sehr schweren Jahren und einem ersten Quartal mit einem Durchschnittspreis von nur 1,41 € je kg Schlachtgewicht, setzte mit Beginn des zweiten Quartals ein merklicher Preisanstieg ein. Vor allem der gewachsene Importbedarf Chinas infolge der Afrikanischen Schweinepest belebte den Preis. Der ASP-Ausbruch hatte zu einem drastischen Einbruch der Sauenbestände in China geführt. Im zweiten Quartal betrug der Durchschnittspreis 1,78 € und im dritten Quartal 1,82 €. Aktuell liegt der Schweinepreis bei 1,89 €. Wenn es in den letzten Wochen des Jahres keinen deutlichen Preiseinbruch gibt, werden im Jahresdurchschnitt vermutlich ca. 1,70 bis 1,72 € erreicht. Damit könnten die meisten Schweinehalter in diesem Jahr kostendeckend produzieren. Allerdings brauchen sie noch etliche Monate mit den jetzigen Preisen, um die Verluste der letzten Jahre annähernd ausgleichen zu können!

Agrarpolitik


Vor etwa 3 Wochen gab es in vielen deutschen Großstädten machtvolle Bauernproteste darunter auch in Chemnitz, Leipzig und Görlitz. Zuvor hatten zahlreiche Landwirte schon zum stillen Protest gegen die aktuelle Agrarpolitik grüne Kreuze auf ihren Feldern aufgestellt. Vielen reichte aber dieser stille Protest nicht aus. Eine bundesweit aktive Gruppe verbandsunabhängiger Landwirte hatte deshalb für den 22.10. bundesweite Traktorendemos organisiert. Damit wurde deutlich, dass die Situation der deutschen Landwirte nicht nur von den Verbänden dramatisiert wurde, sondern die Stimmung an der Basis tatsächlich so schlecht ist, wie seit Jahren nicht.

In den vergangenen Monaten hatte sich bei den Landwirten ein enormer Frust aufgestaut. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat dann das geplante Agrarpaket der Bundesregierung. Dies sieht weitere Einschränkungen bei Pflanzenschutz und Düngung vor. Kritisch sehen wir Landwirte auch das staatliche Tierwohllabel und die zusätzliche Umschichtung von Direktzahlungen.

Auch die permanente Stimmungsmache gegen die moderne Landwirtschaft durch Tierschutz- und Umweltverbände sowie die Medien haben zu großer Frustration geführt. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Landwirten und ihren Angehörigen sind keine Seltenheit mehr. Das gefährdet die Zukunft unser Betriebe und damit auch des ländlichen Raums. Deshalb haben sich auch besonders viele junge Landwirte an den Protesten beteiligt.

Für massiven Unmut unter den betroffenen Landwirten hat auch die im Frühjahr erfolgte Ausweisung der Gebiete mit hoher Nitratbelastung (sogenannte rote Gebiete) in Sachsen gesorgt. Hier erwarten wir Landwirte eine schnellstmögliche Überprüfung des Messstellennetzes. Nach unserer Auffassung sind die überwiegende Zahl der Messstellen bewusst an Stellen errichtet worden, wo hohe Einträge erwartet wurden.

Mit all diesen Problemen haben wir uns Anfang November in einem Brief an unseren Ministerpräsidenten gewandt. Mit Spannung erwarten wir jetzt seine Antwort und natürlich auch die Umsetzung unserer Forderungen.

Verbandsausrichtung


Seit geraumer Zeit beschäftigt sich unser Vorstand mit der Ausrichtung des Verbandes. Bereits seit April 1997 arbeiten wir mit dem RBV Mittweida in einer gemeinsamen Geschäftsstelle vertrauensvoll und zielorientiert zusammen. Die gemeinsame Geschäftsführung hat es uns in der Vergangenheit ermöglicht, unsere Kräfte zu bündeln und die Verbandsarbeit zu relativ niedrigen Beiträgen für die Mitglieder zu organisieren. Die Regionalverbände haben sich gut entwickelt und sind damit auch ein verlässlicher Partner für unsere Mitglieder.

Wir sind mit einer gemeinsamen Geschäftsführung schon vor Jahren einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Für die Zukunft gilt es, weitere Reserven zu erschließen. Aufgrund der juristischen Selbständigkeit sind für beide Verbände jeweils die entsprechenden Gremien zu wählen sowie getrennte Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen durchzuführen. Darüber hinaus muss natürlich auch für jeden Verband eine getrennte Buchführung erfolgen. Es werden also viele Arbeiten doppelt erledigt.

Zur nächsten Vorstandswahl werden altersbedingt 6 Vorstandsmitglieder ausscheiden. Die Bereitschaft unserer Mitglieder, aktiv als Ehrenamt im Vorstand für den Verband tätig zu werden, hält sich in Grenzen. Auch im RBV Mittweida stehen im nächsten Jahr Vorstandsneuwahlen an und der Verband steht vor ähnlichen Problemen. All dies hat die Vorstände beider Verbände dazu veranlasst, sich mit dem Thema einer weiteren Bündelung der Kräfte zu beschäftigen, die in einer Zusammenführung beider Regionalverbände münden soll. Durch die Neustrukturierung soll kein Mitglied schlechter gestellt werden. Alle Mitglieder sollen im neuen Verband die gleichen Rechte und Pflichten zu selben Beiträgen, wie im alten Verband haben. Nach Abschluss der Verhandlungen muss dann in einer weiteren Mitgliederversammlung – voraussichtlich im März 2020 - über eine Zusammenführung der Regionalbauernverbände Mittweida und Westsachsen rückwirkend zum 01.01.2020 abgestimmt werden. Der Vorstand wurde von der Mitgliederversammlung zur Aufnahme von Fusionsverhandlungen bevollmächtigt.

Visionen SLB 2030


Im Anschluss an den Vorstandsbericht ging Präsident Torsten Krawczyk in seinem Redebeitrag auf ein paar aktuelle agrarpolitische Themen ein. Die zukünftige Gestaltung der GAP-Reform, das Mercosur-Abkommen, das Agrarpaket und die kürzlich stattgefundenen Demonstrationen wurden dabei angesprochen. Weiterhin wurden die sogenannten roten Gebiete und die laufenden Koalitionsverhandlungen angesprochen. In seinen Ausführungen zur „Vision SLB 2030“ sprach Präsident Krawczyk zur Verbesserung der Kommunikation und zu den Arbeitsabläufen im Verband. Es müssen Veränderungen erfolgen, sonst ist keine Weiterentwicklung möglich. Der SLB versteht sich als Dienstleister für die Kreis- und Regionalbauernverbände. Krawczyk betonte, dass die Kommunikation im Verband verbessert werden muss. Insbesondere die jungen Leute werden derzeit schlecht mitgenommen.



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